Die Orgel der Evangelischen Kirche St. Pölten wurde 1959 von Johann Pirchner (senior) erbaut und verfügt über zwölf Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.

Zur Zeit ihrer Errichtung stand sie als neue mechanische Schleifladenorgel in Ost-Österreich fast singulär da, war weit über die Stadtgrenzen St. Pöltens hinaus bekannt und hatte für das Konzertleben und die Orgellandschaft des niederöstreichischen Zentralraumes große Bedeutung. Sie ist Zeugin einer Zeit des Aufbruches und des Anbrechens eines neuen Qualitätsbewusstseins für Orgelneubauten in Österreich nach dem zweiten Weltkrieg.

Als Schwesterinstrument der von Anton Heiller konzipierten, legendären (und heute leider stark veränderten!) "B-Orgel" der Universität für Musik und Darstellende Kunst ist diese Orgel ein gutes Beispiel für die Klangvorstellung der späten "Österreichsichen Orgelbewegung": Klarheit und Farbigkeit galten als Gundziele der klanglichen Gestaltung. Trotz ihrer geringen Registerzahl stellt dieses Instrument einen künstlerisch erstaunlich flexiblen Klangkörper dar.

Dem Verständnis und dem Geschick des damaligen St. Pöltner Pfarrers OKR Paul Jung ist es zu verdanken, dass der Bau eines solch qualitätsvollen Instrumentes in einer finanziell derart angespannten Zeit möglich wurde.

Zu ihrem 50jährigen Bestandsjubiläum befindet sich das Instrumet - hautpsächlich bedingt durch bauliche Mängel in ihrem Umfeld - leider in schlechtem Zustand und muss in nächster Zeit grundlegend saniert werden.

> DISPOSITION

Die Herzogskapelle Wilhelmsburg (Predigtstation der evangelischen Pfarrgemeinde St. Pölten) beherbergt ein interessantes Orgelpositiv, welche im Jahre 1971 nach mehrjähriger Bauzeit vom Augustiner Chorherren und autodidaktem Orgelbauer Ulrich Vergeer (tätig im Stift Herzogenburg) ursprünglich für die Filialkirche Radelberg errichtet wurde. Aus alten Orgelteilen (alte Gehäuseteile, barocke Windlade, ältere Pfeifen verschiedener Bauzeit und Qualität) entstand unter experimentellen Bedingungen ein Instrument welches dem Klang und dem Spielgefühl einer Renaissance-Orgel auf zufällige Weise sehr nahe kommt.

Es ist geplant, dieses Instrument künftig auch in die Konzertreihe mit einzubeziehen.